Kapitel 3


Kapitel 3Zwischen Himmel und Schilf


«M'rhändschynt'sänFärnzuug kanadischiSchwarzgäns imAaazuug! flüsterte be­geis­tert Felice Lerner. Sobald ich die letzte Bestätigung habe, dass er wirklich hier eine Rast einschaltet, renne ich wie um mein Leben los und Sie hinter mir her, als ob vorne der Herrgott uns winkte und hinten der Teufel uns fressen wollte. Aaaachtung... Loooooos!!! »

wauw! Da sind wir gerannt. Das ältere Ehepaar rannte zwar wie die Metópenläufer auf dem Parthenon, Oberkörper um 75° nach vorne abgewinkelt, Arme wie Propeller rudernd und die Haare waagrecht nach hinten im Fahrtwind gewellt, aber mit welchem Tempo! Jetzt zeigte es sich, dass die Mokassins, die sie an den Füssen hatten, mit Bedacht ausgewählt waren: Seventy-five-straight-forward-Rennschuhe, wie sie auch schon ein paar bekannte sudanesische Ma­ra­thon­sprin­ter für Weltrekorde benutzt haben. Das waren ja Champions! Nie dem ersten Eindruck trauen! Und alle andern taten, was sie konnten, alle Damen je­den­falls hatten ihre Mokassin abgezogen und in die Schlaufengürtel ihrer Klei­der ge­klemmt und rannten mit fantasievollen Stylen, aber zügig, Felice Lehner nach. Wir unterdessen, Ihr Autor und Sie, liebe Lesende, auf Saladins Gebetsteppich sanft ge­schau­kelt wie zwischen den Höckern von des Propheten Kamel, in Licht­ge­schwin­dig­keit dorthin, wo es gleich passieren wird, nämlich dieses:

Schwarzgaense im Zug

Kanadische Schwarzgänse kurz vor der Landung! Im ganzen fast hundert Vögel, über dem Neeracher Moor hat man noch nie so viele gesehen. Seit ihrer letzten Rast sind sie nonstop mindestens 800 km in 4–500, bei Stürmen bis 700 m Höhe über den Atlantik geflogen, z. T. mitten durch Orkane, immer untrüglich auf der kürzestmöglichen Route. Mit den Rauchschwalben, den Mauerseglern, den Al­ba­tros­sen und unseren Grünmeisen gehören sie zu den Vogelarten, die eine zy­lin­der­för­mi­ge Hör- und Magnetschnecke am Oberschädel und dadurch eine absolute Orientierung haben. Unsere Brüder und Schwestern die Meis­ter­flie­ge­rin­nen! Was haben die durchgemacht und beginnen jetzt schon übermütig zu Schnattern: Frühstück! Freies Fressen für alle! Das gibt einen Schmaus!

Aber jetzt geht's überall gleichzeitig los: unsere jungen Grünmeisen, die irgendwo auf einer Schlickinsel im Schilf die Nacht verbracht haben, rascheln plötzlich fast vor unserer Nase aus dem Röhricht hoch und bilden eine auffällig Dreierformation. Soviel haben bisher alle gelernt, dass sie in ihrem Gedächtnis dieses Gebilde in die Muster einzuteilen suchen, die sie auf Schaublättern auswendig gelernt haben. Eine zerzauste Blondine mit strähnigen Haaren (eingefettet, klar, das ist die neuste Mode unter Teenagern) streckt die Hand wie im Klassenzimmer und wispert aufgeregt: „Rotierender Kreis mit raschem Wechsel und Leitvogel je 2 Minuten 35° ab Horizontlinie!” Felice hebt die Arme bis vor den Kopf und klatscht breit grinsend in die Fingerspitzen der gewölbten Hände, kaum ein Klopfen: „Sauguet!”, die Kleine vergeht sichtlich vor Stolz. Aber schon tut sich wieder etwas, während unsere Meisli wie unentschieden etwas 80 m über uns stehend kreisen, mit Leaderwechsel alle 2 Minuten: man hört ein leises Brummen, wie von einer Hummel oder einem Hirschkäfer, und auf den ersten Blick sieht es auch aus wie ein überdimensionierter Käfer, der die Zangen weit aufgerissen hat.

Flyboard Air Zapata Racing Fotomontage Stock Mann von hintenAuf meinem Schnappschuss mit rück­ge­blen­de­tem Selfie hat er allerdings bereits die Arme gesenkt, um die Lan­dung mit der kleinen Konsole, die er in der Rechten hält, präzise zu steuern. Der rechts, das bin ich, äksküsi, ich sehe vielleicht nicht so romantisch aus, wie Sie sich das vor­ge­stellt hatten. Der stramme junge Mann links ist der Adjunkt im Bunker, Sie erinnern sich (S. 12)?, Gérôme Dangiali ist sein exotisch klin­gen­der Name – ur­sprüng­lich ein alteingesessenes Berner Ge­schlecht: Dängeli. Als Sekunden später der Käfer vor unseren Füssen landet, entpuppt er sich als Kuno Rast. Er hat sich im Depot des Be­ob­ach­tungs­turms beim Stadlersee an der Hoch­feld­stras­se eine Flugplattform gegriffen:

«Sali mitenand! Die Steuerkonsole für die Plattform kann ich ja jetzt einstecken, was ich in der Linken habe, ist die Konsole für die Radarsteuerung der Vögel: Seht ihr das? So klein ist die!

Jetzt schubst du die armen Meisli also doch noch umeinander wie Spielzeugdröhnli vom Franz-Karl-Weber! rufe ich etwas ärgerlich.

Sälber es Dröhnli vod'r Langstraass! antwortet er lachend: Denen gefällt das riesig, das ist ein Spiel für sie, und wenn sie nicht wollen, gehorchen sie wie Kurzbeindackel und zerstieben in alle Rich­tun­gen. Ich muss immer ganz sorgfältig darauf achten, was sie von mir erwarten, zum Glück kann ich ihren Ausdruck auch in der Dämmerung perfekt lesen. Momentan sind sie in Wartehaltung und schauen den Gänsen zu. Ich vermute, in ein paar Minuten wird immer wieder eine im Sturzflug auf dem Wasser landen und irgendwas picken oder sogar tauchen, um zu sehen, ob die Gänse ärgerlich reagieren. Sie sind ja auch gar gross für unsere Meisli. Wenn die nichts dergleichen tun oder ihnen sogar freundlich zunicken, werden die Meisen alle zusammen landen und mit den jüngeren Gänsen spielen, ihnen zwischen den Ruderpfoten durchschwimmen, auf den Rücken springen, den Bürzel picken, und ihr werdet sehen, die gehen darauf ein, ich habe ein halbes Dutzend Ersatzspeicherkarten mit, heute ist mein Tag!

Was bekommen wir davon mit?

Hast du nicht gemerkt? Kuno ist mit seiner Plattform schon wieder abgesummt, er greift sich einen Heli in Neerach, weisst du, so einen Flüsterer, einen miniaturisierten 66 Comanche Light Attack Helicopter, den wir in Privatlizenz via Israel total für Vogelforschung umgebaut haben. Je sechs Personen kann ich schwebend um mich herum am Steuer gruppieren, alle sehe dasselbe wie ich in einer Zentralspiegelung aller Ansichten durch die Blendscheiben...

Ja, du, die Herrschaften da verstehen jetzt Bahnhof, soll der Kuno doch, sobald er landet, die erst 6 reinschlucken, das gibt drei Fuhren, er bestimmt wie lange pro Fuhr, und wenn ich das richtig sehe, werden die noch auf dem Sterbebett von dem Tag träumen.

Typisch dich, muss du jetzt das Sterbebett rausholen?

Ist ja auch was ganz Natürliches, ich ploddere ja nur, bis der Kuno da ist.

Der ist schon da, 3 m hinter dir gelandet, und du hast nicht einmal ein Flüstern gemerkt oder eine Brise.

Sternefeufi, das ist wirklich Stealth! » Ich habe mich umgedreht und winke, eine ganze Hälfte des Comanche geht hoch, und jetzt saugt es doch tatsächlich 6 Nasen in den Heli rein, wo sie sich schwebend um den winkenden Kuno gruppieren. Kurz darauf geht die Klappe runter, ein Seufzer, ein Hauch, und der Comanche ist spurlos verschwunden. »

„Ja und wir, die Lesenden?” rufen Sie jetzt vielleicht. Merken Sie's nicht? Wir sind auch schon drin, mit unserer Nullextension, hören Sie bitte zu, was Kuno erklärt. Und vergessen Sie das mit dem Sterbebett, war nur so ein Pausengag. Ich gebe Ihnen eigene Erklärungen, extra auf Sie abgestimmt, Sie melden sich, wenn etwas unklar ist. Also:

«Die smaragdgrünen Moorfrösche wären an sich eine Lieblingsspeise der Enten, aber die hüpfen und tauchen jetzt in einem so wahnsinnigen Tempo umher, dass sie nicht zu fassen sind, gleich beginnt der grosse Hochzeitschor. Stellen Sie sich das Stadt­or­ches­ter Winterthur vor, in dem jede Solistin und jeder Solist simultan dirigieren und zu­gleich spielen würde, und zwar so perfekt synchronisiert, dass über das ganze Konzert jedes Tierchen die Einsätze aller andern antizipiert, einen Harmonischen Diskant dazu aufbereitet und dann mal da, mal dort wunderbar harmonisch in den Chor einfällt…

Ich habe schon seit einer Weile die grösste Lust, mitzusingen!

Du, mach das, mit deiner Menschinnenstimme, du singst sicher wunderschön!

Ich hab halt auch ein absolutes Gehör, ich fühle die alle in mir!

Sing, sing, Gabi, ich weiss, du bist ein Phänomen, die Frösche werden jubeln! »

Froschochzeit youtubeAR6JGRFL6GMWar das ein Chor, über dem eine wun­der­vol­le, junge Mädchenstimme schwebte als Dis­kant­sop­ra­nis­tin und in den sie immer wieder als Sopran und Altsopran eintauchte, um gleich wieder hochzuschweben. Erst einer, dann mehrere, und schliesslich alle kleinen grünen Choristen wandten sich ihr zu, tes­te­ten sie mit einer neuen Quakserenade, öff­ne­ten ihre Froschherzen und adoptierten sie als Ka­pell­meis­te­rin. Kuno hat mir seiner Su­per­aus­rüs­tung eine Stereo-Hologramm-Aufnahme von dem Konzert gemacht, sie finden die Datei unter seinem Namen auf unserer Website. Es war schlicht umwerfend. Und dann, ganz plötzlich, verstummte das Konzert, Gabis Stimme schwebte hauchzart aus und alle Frösche verschwanden unter Wasser: Der Paarungstanz hatte begonnen, aus dem sie nur se­kun­den­wei­se auftauchten, um Luft zu schnappen.

«Wie lange dauert das denn ungefähr so? fragte etwas spöttisch in junger Herr.

Gut 10 Stunden, unermüdlich.

Ja… also immer auf Level?

Immer, seien Sie versichert.

G'seesch, Chrigl, hadeerjag'sait, s'trörftbisöis rujgächlilängerduuure! sagte leise aber sehr deutlich die junge Dame, die eingehakt neben ihrem Christoph stand und sich jetzt demonstrativ eng an ihn lehnte. Sie wusste, sie hatte ihn jetzt öffentlich festgenagelt, was sollte er erwidern? Wir mussten ja leise sein.

Uns schadet es ja auch nicht, wenn wir uns Musse dafür lassen, stiess Kuno treffsicher mit seiner Zungenharpune nach. Ich werde Ihnen gleich noch mit der Kamera ein paar Unterwasseraufnahmen nachliefern. Aber jetzt steigt gleich das nächste Event, schauen Sie, am östlichen Horizont gegen den Uster-See zu sieht man so etwas wie einen riesigen Mückenschwarm, der sich rasch nähert und sich nun deutlich als ein gewaltiger Vogelzug entpuppt: Tausende und Abertausende von Staren sammeln sich in den Glutmonaten des Sommers in den Feuchtgebieten Äquatorialafrikas (Mo­zam­bi­que über Tansania und Kenia am Viktoriasee bis Sudan, und weiter westlich die Re­pub­lik Kongo, Angola und Gabun bis zum Süden Nigerias, und überqueren in drei Zü­gen das Mittelmeer, respektive via Gibraltar, Spanien und Frankreich / Italien, Ös­ter­reich, Be­ne­lux / Ägypten, den Isthmus, die slawischen Küstenstaaten Ungarn und Friesland hin zur norddeutschen Küste. Zum ersten Mal hatte sich unterwegs in Frankreich ein Zug von ein paar Tausend Individuen abgespaltet und hatte das Neeracher Riet als Lan­de­platz oder gar als Brutstätte gewählt, von der sie vielleicht in Zukunft nicht mehr nach Süden ziehen werden. »

Unsere Gäste wurden verwöhnt, sie bedankten sich überschwänglich, als sie kurz vor 18 Uhr, von Kuno und Felice, Gérôme, Kuno und mir besammelt und gezählt, eine um den andern durch das Drehtor von Stadlersee herausgelassen wurden. Fast alle wollten wissen, ob sie wohl heuer nochmals kommen dürften, und Kuno beruhigte sie: noch 3 Mal, zu einem wählbaren Zeitpunkt. Die Werbeaktion war ein so durchschlagender Erfolg, wie wir es uns nie hätten träumen lassen. Aber kaum war die letzte ausser Hörweite, legte Kuno sein strahlendes Lächeln ab und flüsterte mit zu: « S'macht'm'rSorg, dyysBienli! — Eben », sagte ich. Dann gingen wir auf dem kürzesten Weg zum Laborbunker im Unterstock −5 und dort zur Insekten-Forschungsabteilung, wo wir uns an einen Tisch mit Elektronen-Raster-Mikroskop setzen. Kuno hatte es schon bevor wir gingen aufgeschaltet, es summte erwartungsvoll.

Rastermikroskop PaulScherrer Synchrotron2001

«Sieht nach einem Museumsstück aus, wurde 1997 am Paul-Scherrer-Institut in Vill­mer­gen installiert und 2001 in Betrieb genommen, brummelte Kuno im Vor­über­ge­hen. Ich kannte den alten Herrn, aber diesmal wollte ich dieses Wunderwerk der Ingenieurskunst doch etwas näher betrachten:

Eichenbohlen, stimmt's? In finnischen Sumpfseen 8 Jahre lang gelagert und gegerbt, damit keine Luft mehr in den Fasern zirkuliert und nur noch interne Kompensationen stattfinden.

Wenn du's eh schon weisst…

Ich will es heute Nacht Änny über den Teich funken, du glaubst nicht, was für scharfe Fragen die mir stellt.

Ich gebe dir nachher aus unserer Reserve die Broschüre des Paul-Scherrer-Instituts, in der das alles beschrieben wird, ich hab noch Exemplare. Du kannst ihr schon mal sagen, dass diese Eichenbohlen Schwingungen besser auffangen als die raffinierteste Auf­hän­gung, und dass in der Pfanne drin die Magnetspulen für die Erzeugung der Myonenstrahlung mit der Methode der zylinderförmigen Schnecken unserer Grün­mei­sen aufgehängt sind, dort hat der Erfinder Gerhard Ertl sie abgekupfert. War auch ein Meisterbiologe.

Wo denn sonst. Dahinter der Kollisionskreislauf ist dann ähnlich aufgehängt, ja?

Ohne Eichenbohlen, er ist so massig, dass er weniger empfindlich ist. Jetzt gehen wir durch den Panzergang zum Rastermikroskop. »

Biolabor Neerach Montage…in den Präparationsraum. In grossen Kühlkorpus, in Schubladen und Schrankfächern, lagern Zehn­tau­sen­de von tiefgefrorenen Proben, hier ist eines der grossen Biodepots in Europa, eine der genetischen Weltbibliotheken. Auch unser Bienchen ist jetzt so ein Asservat. Kuno sucht die Asservatennummer auf seinem Handy, steuert auf ein Fach zu, zieht dort mit blossen Händen im Stickstoff-Ammoniak Dampf bei 15° Kelvin ein Fächlein mit unserer Maya heraus und bringt sie in den Defroster, der sie auf −4° C auf­wärmt. Im Zubereitungsraum hat er seine filigrane Greifpinzette ergriffen, wieder mit einer Zah­len­kom­bi­na­tion seines Handys lässt er das Fächlein auf­sprin­gen und holt mit dem Greifer eine winzige Schale heraus, auf der unser Bienchen friedlich und blitzblank gesäubert irgendwie erwartungsvoll auf dem Rücken liegt: „Jetzt kann ich meine Botschaft übermitteln”. Wir gehen in den Mikroskopierraum, wo das Rastermikroskop sichtlich darauf wartet, dass ihm die Probe verfüttert wird. An der „Entrance” greifen zwei zarte Arme die Probe, heben sie aus ihrem Wännchen und kippen sie ins Innere, wo sie mittels und eines filigranen Roboterarms mit 5 Gelenken und externen Drehknöpfen vom Untersucher in alle Rich­tun­gen gedreht werden kann. Kuno stellt alles sorgfältig ein, dann lässt er mich an das Dop­pel­ob­jek­tiv. Ich justiere noch ein wenig nach für meine Augen, und dann sehe ich es!

Der Strahl tastet durch den Stachelausgang hindurch die Bauchhöhle bis zum Schultergürtel ab. In dieser Röhre (ein Riesenrohr für das Mikroskop, fast die Piotta-Druckleitung) zeichnet sich zuerst die Knospe des nachwachsenden Stachels ab. Das passiert nur bei kerngesunden Bienen, die hier hätte als keineswegs sterben müssen, sie konnte ihren Stachel in 2–3 Tagen ersetzen und dann wieder an die Arbeit gehen, ihre Kolleginnen hätten sie bis dann rührend gepflegt. Nur war da niemand, der sie wieder zur Rüsche gebracht hätte, durch den ganzen Steilwald hindurch konnte sie nicht mehr fliegen. Weiter ging es: alle Gewebe bis hinunter zum Schultergürtel am Herz vorbei (ebenfalls völlig intakt, dieses grosse Bienenherz) wären gesund und unlaidiert. Die Biene muss aber fast schlagartig gestorben sein, sie hat nicht bis zur Agonie gestrampelt, sonst läge sie nicht so harmonisch da. Was hat den Tod bewirkt?

Zubereitungsraum Neeraf MontageKuno sieht, dass ich für's erste durch bin, geht wieder ans Okular und nimmt neue Einstellungen vor, dann sagt er: « Da, schau selber. » Er hat einen ganzen Ablauf eingestellt: der Strahl dringt wieder zur Herzgegend vor. An der Aussenwand des Organs liegen Tröpfchen, das müssen höchs­tens Nebeltröpfchen sein, auch im Mikroskop sind sie winzig: 1–2 Nano, so was können nur die besten Rastermikroskope überhaupt noch auflösen.

Rastermikroskop AtomicForce Bruker nano57554 1234645Dann erscheint ein Mikrostäbchen mit einem Läppchen wie bei den Teststäbchen für Mikroskopie, tupft hauchzart ein Probe ab, kippt sie in den Eingang eines Ionen­spek­tro­skops, das in einem Li­ni­en­di­a­gramm sämtliche Atomspuren, ihre In­ten­si­tät und ihre Verteilung nach Gewicht dar­stellt und dann eine nicht widerlegbare Fol­ge­rung daraus zieht: der Sprühnebel an der Herzwand enthält die Komponenten zweier potenter Insektengifte auf der Basis von Form­alde­hyd, verbunden zu einem In­stant­gift, das den Tod durch Herz­still­stand herbeiführt, bevor noch irgendein Krampf eintreten kann. Das Opfer liegt friedlich da, als wäre es an der Schwelle des Bienenparadieses. Mit einem Sprayer kann man das Gift nicht durch die winzige Pore in den Bienenleib einblasen, es zersetzt sich an der Luft in Mikrosekunden. Jemand hat mit einer Mikrokanüle die beiden Komponenten simultan eingespritzt, so, dass sie genau an der rechte Herzwand koaguliert haben. Maya ist kaltblütig von einem Spezialisten ermordet und dann offensichtlich als Botschaft hingelegt worden, in der Erwartung, dass der potentielle Empfänger der Botschaft sie rechtzeitig finden würde, bevor das Wetter die Spuren löschte. Und der Empfänger musste lo­gi­scher­wei­se ein Biospezialist sein. Das war jetzt bewiesen, vor keinem Gericht der Erde hätte irgendjemand, solang das Asservat aufbewahrt wurde, diesen Befund in irgendeiner Weise anzweifeln können. Zusammen mit den ausgedruckten apparativen Befunden, gänzlich unbeeinflusst von menschlicher Willkür, hatte Kuno unsere Biene wieder in ihr Kühlfach im lückenlos abgeschirmten und überwachten Präparationsraum gebracht und sie dort mit dreifacher Schlüsseldrehung und Eingabe eines automatischen Folgecodes verwahrt. Maya würde dort warten, bis ihr Fall vor das geeignete Gericht gebracht würde. Das konnte ich Änny erzählen, zusammen mit dem Aufbau des Strassburger Gerichts, sie würde dann Bilder von Strassburg hinunterladen und aus Pappe eine Gerichtssitzung mit allen Figuren aufbauen, wo sie ihren grossen Auftritt als Biojuristin einüben würde. So vermutlich würde das ablaufen bei ihr. Was hatten Alicia und ich für eine Tochter! Und die nächste war schon unterwegs. Freuen Sie sich auch auf die beiden? Ende Juno 2049 kommen sie zurück in die Schweiz.

Schlussschlinge